Der Lange

Heute, am 7. März, wird Walter Röhrl 70. Seine Ära als professioneller Renn- und Rallyefahrer ist längst vorbei, doch sie hallt immer noch nach. Hoffentlich noch lange.

Ein Freund brachte ihn zum Rallyesport. Eigentlich fuhren sie immer bloß zusammen Ski. Aber die Art und Weise, wie Walter Röhrl fuhr, ließ für seinen Freund keinen Zweifel daran, dass er Rallyefahrer werden musste. Und so kam es dann auch: Er startete 1968 als Privatfahrer. Seinen ersten Vertrag hatte Röhrl dann mit Ford – dotiert mit nur 50 Mark pro Monat, dann 1.000 im Monat von Opel, aufgestockt auf 80.000 im Jahr, und dann 800.000 von Fiat. Bei Audi war Röhrl wieder etwas geringer dotiert, aber das war ihm egal.

 

In Regensburg geboren, als Chauffeur für die Bischöfliche Verwaltung unterwegs, gelernter Skilehrer, und dann zum Automobilsport, ging es Röhrl nie ums Geld, sondern um das Vergnügen, um Intelligenz beim Fahren, um Präzision. „Der Lange“, wie die Medien ihn irgendwann tauften, fürchtete sich wirklich vor keinem Auto, und scheute sich auch nur wenige Wettbewerbe. Mit einem Opel Ascona A wurde er Rallye-Europameister und mit einem Fiat 131 sowie einem Opel Ascona 400 Rallye-Weltmeister. Im Grunde donnerte er mit allem, was fuhr, über alles, was befahrbar war – mit den Fords, Porsches, Lancias und Audis dieser Welt über klassische Rennstrecken, aber auch so exotische wie bei der Rallye Elfenbeinküste oder der Marlboro Safari Rallye. Bei Porsche fand er letztlich sein automobiles Gegenstück – er verstand beispielsweise wie kein anderer den Umgang mit dem Extrem- und Kultauto 959. Der 911er wurde zum Auto seines Lebens, er besaß privat immer einen. Aber auch ein 356 oder ein Elfer Turbo finden sich in seiner Garage. Und er ist für seinen Arbeitgeber immer noch 150 Tage im Jahr unterwegs. Der Lange denkt noch nicht ans Aufhören. Eben erst kam er aus Südafrika, um dort einen neuen Wagen zu präsentieren, dann fliegt er nach Lappland, um übers Eis zu driften. Das ist Walter Röhrls Beruf und Berufung: Er ist Testfahrer und als Renn- und Rallye-Ikone Aushängeschild von Porsche. Nun macht er das natürlich trotzdem schon länger, als er ursprünglich dachte. Aber „ich habe Angst davor, nur noch meinen Garten zu machen“, erzählte er kürzlich dem Süddeutsche Magazin. Denn wenn Walter Röhrl eine Entscheidung trifft, dann bleibt er auch dabei. Dafür ist der Lange bekannt – für seinen Perfektionswahn, seine Disziplin und seinen Willen – hoffentlich noch lange.

Text: Nicole Thesen (Zimmermann Editorial)

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