Das Rad, neu erfunden

Seit 200 Jahren trägt uns das Fahrrad durch die Lande. Zum alten Eisen gehört es dennoch nicht. Wir sprachen mit dem Fahrradfachhandel Löckenhoff & Schulte über innovative Velos als Wunderwaffe gegen Stau und Luftverschmutzung.

„Zwei Räder, Sattel, Muskelkraft – am Grundprinzip des Fahrrads hat sich in 200 Jahren nicht viel geändert“, sagt Yvonne Jütte, stellvertretende Filialleiterin beim Fahrradfachhandel Löckenhoff & Schulte GmbH. „Und doch scheinen die besten Tage des Gefährts erst zu kommen.“ Zwei Jahrhunderte nach der historischen Erstfahrt des badischen Tüftlers Karl Freiherr von Drais besetzt das Fahrrad seinen Platz im deutschen Verkehr nochmal neu. Die Politik hat das Potenzial für ruhigere, saubere Städte erkannt. Immer mehr Menschen nutzen das Fahrrad in der Freizeit oder als Alternative zum Auto auf kürzeren Strecken. Nach einer Prognose im Auftrag des Bundesverkehrsministeriums kann sich der Anteil des Fahrrads an der Verkehrsleistung von derzeit fünf Prozent bis zum Jahre 2030 auf neun Prozent beinahe verdoppeln. Auch das Interesse am Radsport – aktiv oder passiv als Zuschauer – steigt. Jeder Vierte bekundet mittlerweile Interesse, so berichtet aktuell das Magazin Horizont.

Das Rad hat sich gedreht
„Aus der Laufmaschine von einst sind bis heute abertausende Spielarten entstanden, jeden Tag scheinen neue hinzuzukommen“, sagt Jütte. Fanden die Kids der 1970er-Jahre das Bonanza-Rad cool, geht es heute nicht mehr ohne Elektroskateboard oder die futuristisch anmutenden Hoverboards, Stichwort Mikromobilität. „Früher galten Klappräder als Inbegriff des Spießertums“, sagt Jütte, „heute gibt es mehrere tausend Euro teure Hightech-Geräte für zeitgemäßes Pendeln.“ Während die Hipsters mit Fixies oder Singlespeed-Rädern durch die City jagen, kurbeln Outdoorfreaks mit einem Fatbike durch den Schnee. Alpenüberquerungen per Velo sind beliebt, ebenso das „Race Across America“, ein jährlich stattfindendes, ultralanges Radrennen von der West- zur Ostküste der Vereinigten Staaten. Selbst auf dem Jakobsweg sind immer mehr Pilger per Fahrrad unterwegs.

Aufs Rad abfahren
Ganz abgesehen von solch ambitionierten Projekten nehme der moderne Städter auch seinen direkten Lebensraum in der Zukunft immer mehr per Velo ein, prophezeit Jütte. In Paris solle beispielsweise in den vier zentralen Arrondissements außer öffentlichen Buslinien, Taxen, Rettungsfahrzeugen und ein paar Lieferwagen bald lediglich Fahrräder unterwegs sein. Ähnliche Pläne gibt es für Madrid. London träumt schon seit Jahren vom „SkyCycle“, einem futuristischen Radler-Highway, ähnlich dem Konzept in Kopenhagen: Hier gibt es sie schon, die dreispurigen Radautobahnen ohne Ampeln. „Den Drahteselreitern gehört die mobile Zukunft“, sagt Jütte. Denn es kommt noch eine weitere Einheit ins Spiel: die Zeit. Eine aktuelle Studie der Süddeutschen Zeitung belegt, dass Autofahrer in Los Angeles pro Jahr 104 Stunden im Stau stehen, in Moskau 91, in München 49. Und die Metropolen wachsen weiter, die Werte an Stickstoffdioxid auch. Jütte: „Wir müssen uns aufs Rad schwingen!“ Das bringe: weniger Lärm, weniger Stau, weniger Luftverschmutzung, mehr Bewegung, mehr Licht, geringerer Krankheitsstand, reduzierte Gesundheitskosten.

Das Rad der Zeit
Die Fahrradfachhändlerin kennt dazu schon ein passendes Beispiel: die E-Bikes des Schweizer Unternehmens „myStromer AG“: „Im kommenden Jahr realisiert das Fahrradwerk mit seinem High-End-Bolden „ST5“ meiner Meinung nach den Vorsprung durch noch mehr Technik“, sagt Jütte. Ein absolut cleaner Lenker ohne ein einziges Kabel inklusive eingelassener Scheinwerfer, eine stärker ausgereifte Konnektivität, High Performance Reifen von Pirelli, kraftvollere Bremsen und ein Sportmodus, der per Knopfdruck noch mehr Power zuschießt, sowie ein sehr leistungsstarker Motor mit einem Drehmoment von bis zu 48 Nanometern – all das werde das Neue bieten. „Schon die allererste Serie „ST1“ erreichte mit Fahrerunterstützung Geschwindigkeiten von bis zu 45 km/h“, sagt Jütte. „Solche Werte taugen doch als Argument für das Rad – gerade auf Jobwegen unter zehn Kilometern.“ Radfahrer gelten heute als modern und umweltbewusst. „Und fitter!“, sagt Jütte. Die Fahrradexpertin ist sich sicher: „Solche Velos wie die der Stromer AG sind nur die Vorboten vieler innovativer Neuerscheinungen, die es in den nächsten Jahren geben wird.“ Das Rad dreht sich weiter!

Text: Nicole Thesen (Zimmermann Editorial)

Firma: Löckenhoff & Schulte GmbH

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