Einen Dämpfer verpassen

Der niederländische Stoßdämpferhersteller KONI verleiht Fahrzeugen ihr individuelles Herzstück. Und zeigt, wie man sich durch Innovationskompetenz und Symbiose erst in der Rennszene und auch als Zulieferer einen Namen macht.

Automobile und Mode haben etwas gemein: Wenn die Konkurrenz die Gleichen hat, ist es nur noch halb so schön. Das scheint auch der Grund, warum sich Lukas Podolski kein Serienmodell von Audi oder Ferrari kauft, sondern die super-veredelte Variante. Die kostet locker 70.000 Euro mehr als das Standardmodell – der Preis der Individualisierung. Oft geht es aber auch um mehr Komfort, Handling, Sicherheit und nicht zuletzt um Fahrfreude.

Dass sich mit der Veredelung von Automobilen etwas verdienen lässt, erkannte auch das niederländische Familienunternehmen KONI, mit Sitz in Oud-Beijerland in der Nähe von Rotterdam, früh. Im neuen Firmengebäude, das einem Racing-Home nachempfunden ist, erzählt Automotive-Stratege und Geschäftsentwickler Jürgen Krahé begeistert die KONI-Story. 1857 vom holländischen Unternehmer Arie de Koning gegründet, startete KONI nicht mit der Herstellung von Stoßdämpfern, sondern von Pferdegeschirren und Polsterbezügen für Kutschen und Pferde. 1918 nahm die Firma die Produktion von Radiatoren und Federschutzvorrichtungen auf, einige Jahre später die Karosserieschlosserei und Lackiererei. In den 1930-ern begann KONI mit der Produktion von Friktionsdämpfern, 1945 mit den ersten nachstellbaren Teleskopdämpfern für Automobile und Lastkraftwagen, gefolgt von speziellen Dämpfern für Eisenbahnwaggons. Mit einer Mischung aus Tüftlersinn und Leidenschaft entwickelte sich das kleine Familienunternehmen ab 1950 zu einem multinationalen Dämpferspezialisten mit Vertretungen in Deutschland, Frankreich und den USA sowie Vertrieb und Vertretern in mehr als 90 Ländern weltweit. Zu dieser Zeit entschied sich KONI auch, sein Engagement im Motorsport zu intensivieren. „Um die Bekanntheit des Unternehmens zu steigern“, sagt Krahé. „Der Motorsport bot und bietet eine ideale Plattform, um Kunden und Interessenten eindrucksvoll zu demonstrieren, von welch ausgezeichneter Qualität unsere Stoßdämpfer sind.“

Das erste Rennevent, an dem KONI teilnahm, war die Tulpenrallye von 1955. Die heute immer noch stattfindende Tour war schon damals international bekannt. Es stellte sich heraus, dass die KONI Stoßdämpfer nicht nur ideal für den Rallyeeinsatz, sondern die Fahrer mit dem KONI-Equipment den anderen Teilnehmern haushoch überlegen waren. Nach dem erfolgreichen Auftakt im Rallyesport fing KONI an, im Profi-Renngeschäft mitzumischen. In der berühmten Nordschleife am Nürburgring half KONI dem Ferrari-Team bei der Lösung seiner Federungsprobleme. „Bis zu diesem Zeitpunkt setzte man in der Formel 1 noch die so genannten Hebelarmstoßdämpfer ein“, erzählt Krahé. Die Stoßdämpfer von KONI wiesen jedoch nicht nur bessere Dämpfungseigenschaften auf, sondern ermöglichten auch die Montage der Feder um den Dämpfer, wodurch dieser kompakter wurde. 1958 nahm KONI das erste Mal gemeinsam mit Ferrari am offiziellen Grand Prix teil. Der Fahrer belegte auf der Monza-Strecke den sechsten Platz. Die Nachfrage wuchs. Bereits in den 1960er-Jahren gewann KONI erstmals gemeinsam mit Ferrari die Weltmeisterschaft, 15 weitere folgten. „Bis zum heutigen Tag ist KONI somit 16 Mal Weltmeister in der Formel 1 geworden“, sagt Krahé mit Stolz.

KONI habe das Tuning perfektioniert: „Unsere Dämpfer unterscheiden sich in ihrer maßgeschneiderten Herstellung für jeweils nur eine ganze spezielle Anwendung“, sagt Krahé, „basierend auf individuellen Anforderungen und Wünschen, ohne Kompromisse in Sachen Qualität, Haltbarkeit und der besten verfügbaren Technologie.“ Dieses sich Einfügen in die Karosserie, die konsequente Symbiose aus Kraftfahrzeug und Tuning, erwies sich als segensreich. Als Erstausrüster beliefere KONI mittlerweile verschiedene Hersteller mit Komplettdämpfern zum Einsatz in besonderen Modellen mit einer Stückzahl unter 10.000 Fahrzeugen pro Jahr. Ebenso stattet KONI auch Hochgeschwindigkeitszüge, Busse, Trucks oder spezielle Militärfahrzeuge mit Dämpfersystemen aus. KONI Stoßdämpfer findet man zudem in zahlreichen Brückenkonstruktionen wie der fünf Kilometer langen Zeelandbrücke oder der Erasmusbrücke in Rotterdam. Das Unternehmen stehe heute mehr denn je für Innovation, sagt Krahé: „Um moderne Fahrzeuge aus dem Massenmarkt in punkto Komfort, Handling, Sicherheit und Fahrspaß zu optimieren.“ Der Vorteil der KONI-Technologien liege vor allem darin, dass sich diese Eigenschaften nicht mehr ausschließen: „Mit unserer weltweit patentierten Frequenzabhängigen Ventiltechnik (FSD – frequency selective damping) liefern wir für aktuelle und kommende Fahrzeugkonzepte eine leicht zu ergänzende Technologie. Damit lassen sich beispielweise Handling und Sicherheit signifikant verbessern ohne Komforteinbußen hinnehmen zu müssen. Oder umgekehrt.“

KONI versorgt darüber hinaus weiterhin Rennwagen für High-End-Motorsportanwendungen, zum Beispiel für die Rallye Dakar, die Formal 2 oder das Sahara Force India Formel 1-Team und veredelt Modelle wie den neuen Golf GTI für Volkswagen. Die ließen KONI und VW unlängst auf dem Bilster Berg testen. 120 Versuchspersonen – begleitete von einem unabhängigen Marktforschungsinstitut – fuhren die neue Technologie auf dem Bilster Berg und den umliegenden Landstraßen Probe. „Uns ist es wichtig, auch von den Endkunden regelmäßig ein Feedback zu erhalten“, sagt Krahé, „um unsere Technologien möglichst nah am Markt auszurichten und zu optimieren. Für die KONI-Marktforschungen sei der Bilster Berg das ideale Gelände, so Krahé: „Die Strecke ist anspruchsvoll und abwechslungsreich.“ So macht es der KONI-Kundschaft Freude, sowohl bereits werkseitig innovative Technologien an Bord zu haben als auch ihr im Nachhinein veredeltes Fahrzeug mit mehr Stabilität und perfekter Straßenlage zu bewegen. Auf den Laufstegen der Automobilbranche und Rennszene dieser Welt.

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