„Es zeigt sich, wer ein echter ´Petrolhead´ ist.“

Wie von einem anderen Stern: Lina van de Mars ist Kfz-Mechanikerin, Motorsportlerin, Moderatorin und Musikerin. Vor allem in Sachen Autos macht ihr keiner etwas vor. BB sprach mit Deutschlands bekanntester Autoschrauberin über Radkappen, Respekt und ihren Ruheort, das Auto.

Frau van de Mars, wann entdeckten Sie Ihre Leidenschaft für Fahrzeuge?
Ich habe bittere Tränen geweint, als meine Eltern unser erstes Auto gegen ein Neueres eintauschten. Ich war schwer verliebt in meinen Platz auf der Rückbank und hatte eine enge Beziehung zu dem Auto. Mit etwa zehn Jahren habe ich angefangen, Radkappen zu sammeln. Vor allem die hübsch lackierten von Mercedes hatten es mir angetan. Wie autoverrückt ich tatsächlich war, merkte ich aber erst mit meinem ersten eigenen Auto. Es war ein Fiat UNO, den ich gegen ein Snowboard eingetauscht hatte, und der mein zweites Zuhause wurde. Das ist bis heute so geblieben: Mein Auto ist auch immer mein Zuhause.

Wie fiel die Entscheidung für die Ausbildung zur Kfz-Mechanikerin?
Nach dem UNO folgte ein Ford Taunus, der oft repariert werden wollte. Ich wollte die Technik von A bis Z verstehen und fing an, mich auch selbst im Schrauben zu probieren. Damals arbeitete ich noch als Studiodrummerin für Sony Music. Als Sony dann mit Bertelsmann fusionierte, war mein Arbeitsplatz am Potsdamer Platz Geschichte. Ich ergriff das entstandene „Loch im Leben“ als Chance, eine Ausbildung zur Kfz-Mechanikerin zu starten. Ich bin heute so dankbar dafür, dass ich diesen Weg eingeschlagen habe.

Gibt es jemanden, der Sie bei dieser Berufswahl inspiriert hat?
Heidi Hetzer ist eine der ersten Mechanikerinnen, die es in Berlin gab, und dazu eine tolle Frau. Sie würde ich durchaus als Inspirationsquelle sehen. Letztendlich war es jedoch mein Interesse an der Technik. Heute bekomme ich oft Post, dass Frauen wegen mir den gleichen Weg einschlagen. Das freut mich natürlich sehr und ist ein großer Zugewinn für die Frauenquote im Handwerk.

Sie sind Rallyes und mit Jutta Kleinschmidt auch beim 24 Stunden-Rennen „German Off Road Masters“ gefahren. War es ein Traum von Ihnen, im Rallye- und Rennsport mitzumischen? Und wie kam es dann wirklich zur Teilnahme?
Rallyes haben mich schon immer begeistert! Durch Musik und TV waren meine Tage jedoch so voll, dass ich viele Jahre keine Chance hatte, auch Mal meine Künste im Offroad-Sport auszuprobieren. 2007 entschied ich mich dennoch dafür, eine Rennlizenz zu absolvieren. Dank meiner Freundin, der türkischen Rallyefahrerin Burcu Cetinkaya, fand ich den Weg in den Rallyesport. Im Rahmen des Goldenen Lenkrads habe ich vor einigen Jahren Jutta Kleinschmidt kennengelernt. Auch sie ist eine gute Freundin geworden und bis heute – neben Michèle Mouton – DIE Frau im Rallyesport. Ihr Teammate zu sein, war Juttas Idee und eine große Ehre für mich. Wir hatten viel Spaß im Team und natürlich den Ehrgeiz, vorne mitzufahren. Ein Reifenplatzer kostete uns leider den dritten Platz in der Gesamtwertung. Man wird uns hier aber sicher noch Mal sehen!

Das Frauenthema ist für Sie keines, wie Sie öfter in Interviews sagten. Hatten Sie dennoch schon Mal das Gefühl, beruflich nicht so voranzukommen aufgrund der Tatsache, dass Sie eine Frau sind? Oder gab es Situationen, in denen Sie sich als Frau erst Respekt verschaffen mussten?
Natürlich muss man sich in einer „Männerwelt“ einen gewissen Respekt verschaffen. Es geht mir aber vor allem darum zu zeigen, dass man eine gemeinsame Begeisterung hat: Technisches Verständnis und die Leidenschaft für motorisierte Beschleunigung. Sobald klar ist, dass man sich nicht verbiegt, sondern Benzin im Blut hat, kommt der Respekt von alleine. Was aber leider immer wieder passiert: Männliche Kollegen mit möglicherweise weniger Wissen werden neben einem bewundernd gefeiert, während man als Frau erst einmal in Frage gestellt wird. Das hat mich früher sehr geärgert. Heute stehe ich darüber, denn früher oder später gibt es eine Situation, in der sich zeigt, wer ein echter „Petrolhead“ ist.

Ist beruflicher Erfolg im Rennsport-Segment für Frauen planbar?
Ich denke genau so viel oder wenig wie für Männer. Der Rennsport ist ein großes Schachbrettspiel: Sind Talent und Geld vorhanden, braucht es immer noch viel Durchhaltevermögen, die passende Motorsportfamilie und reichlich Teamwork sowie ein Fahrzeug, das gut zum eigenen Fahrstil passt. Rundstreckenrennen sind sicher etwas einfacher zu planen, da man hier viel testen kann und mit einer sauberen Fahrlinie schon weit kommt. Im Rallyesport übernimmt die Natur oft die Regie. Aus einem trockenen Flussbett wird bei Regen eine Schlammschlacht, herumliegende Steine und Bodenwellen bringen Autos zum Springen usw. Genau aus diesem Grund finde ich den Offroad Sport jedoch so spannend. Du weißt nie, was als Nächstes kommt. Der Kopf muss hellwach, die Reflexe gut trainiert sein, um auch in schwierigen Situationen Ruhe bewahren und das Auto samt Insassen wieder auf die Bahn bringen zu können.

Was würden Sie Frauen mit automobilen Ambitionen also raten?
Mit einem Team in der Nähe anfangen! Oder sich an den ADAC wenden – hier wird viel für den Motorsportnachwuchs getan. Zudem braucht man von Anfang an einige Sponsoren an seiner Seite, denn Rennsport ist eine teure Angelegenheit.

Woran liegt es Ihrer Meinung nach, dass so wenig Frauen im Rallye- und Motorsport in Erscheinung treten?
Bis heute wird man in der Schule wenig an technische Themen herangeführt. Teenies verspüren immer weniger den Drang, sofort den Führerschein zu machen. Viele entdecken daher erst sehr spät ihr Können und Interesse an Technik. Kein Wunder also, dass generell der Nachwuchs fehlt. Mädchen fehlt in Deutschland oftmals aber auch der Support von Zuhause, oder die Möglichkeit, sich überhaupt einmal auszuprobieren.

Welches Auto mögen Sie am liebsten?
Ich habe kein Lieblingsauto, sondern Lieblingsautos: alte Maseratis, neue Teslas, Muscle Cars mit blubbernden V8-Motoren und wendige Engländer, die mit ihrem Design und ihrer Grazie allen die Show stehlen. Meine Tagesfahrzeuge wechseln häufig. Momentan erfreue ich mich an einem neuen BMW M140i.

Gab es ein Fahrzeug, an dem Ihr Herz besonders hängt?
Ich weine fast all meinen alten Gefährten hinterher: Ich hatte einen tollen, gut erhaltenen California Campingbus und ärgere mich bis heute, dass ich ihn verkauft habe. Auch einer Reihe alten Amis trauere ich hinterher. Ich möchte unbedingt selber einen Offroad-Camping-SUV aufbauen. Den gebe ich dann nie wieder her!

Welches Autoerlebnis war für Sie das Schönste?
Ich lebe viel in meinen Autos, da ich beruflich häufig an die ungewöhnlichsten Orte muss. Ich habe daher immer alles dabei – einen Koffer mit privaten Dingen, Autogrammkarten, einen Helm und Motorradhandschuhe und, und, und. Das Auto ist für mich ein Rückzugsort. Und das ist eigentlich auch das schönste Erlebnis daran: In meinem Auto gleichzeitig einen Ort der Ruhe wie einen Gefährten zu finden, der einen von der Küste bis zur Wüste bringt.

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