„Ich hatte einen Traum“

Der Comicroman „Steve McQueen in Le Mans“ ist ein Zeitrelikt, eine Hommage an McQueen und ein Meisterwerk der Grafik. Wir sprachen mit dem Zeichner Sandro Garbo.

Herr Garbo, wie lange zeichnen Sie schon und wie kamen Sie zur Gestaltung des Bildromans?

Ich zeichne schon so lange ich denken kann. Als Kind erlaubten mir meine Eltern sogar, meine Helden auf meine Schlafzimmerwände zu malen. Ich habe es geliebt. Ich habe klassische belgische und Marvel-Comics verschlungen, und die Superhelden immer und überall nachgezeichnet. Zudem habe ich jahrelang die Autos meiner Freunde bemalt. Und dann, im Jahr 2013, hatte ich einen Traum: Steve McQueen kam zu mir und sagte mir, ich solle einen Bildroman über seinen Film „Le Mans“ zeichnen, um den Mythos um seinen Film am Leben zu halten. Am nächsten Tag fing ich damit an.

Wie haben Sie den Anfang gemacht?

Ich stellte ein Team zusammen und machte den Roman zu meiner neuen Lebensmission. Ich selbst habe mich sofort ans Zeichnen gegeben. Ich war wie besessen.

Der Film „Le Mans“ hat Kultstatus erlangt. Was können die Zeichnungen ihm noch hinzufügen?

Niemand zuvor hat ein Autorennen so realistisch und intensiv verfilmt wie Steve McQueen. Doch als ich mir den Film ansah, habe ich noch mehr gesehen, als nur das Rennen. Ich stellte mir die Panels vor, die wir gestalten könnten, und sie waren so atemberaubend, dass ich nur noch eins wollte: sie erschaffen und mit anderen teilen. Wenn ich heute das Ergebnis, den Roman, betrachte, hat er nicht nur die gleiche Energie wie der Film, sondern er erlaubt es auch, die Bilder im ganz eigenen Tempo zu betrachten und die Seiten, die Panels, jedes Detail zu bewundern. Das ist es, was die Illustrationen dem Film hinzufügen können.

Ihr Buch ist im Grunde das Storyboard zum Film. Normalerweise wird das im Voraus erstellt. Sie machen es andersherum.

Das ist richtig. Aber wir wollten eh nie wie alle anderen sein. Wir haben nicht den Markt analysiert oder den Umsatz berechnet. Wir haben einfach versucht, den schönsten Bildroman über Autorennen zu gestalten, und wir sind von dem Ergebnis total begeistert. Das Buch ist ein Kunstwerk geworden, und der Film „Le Mans“ war seine Inspirationsquelle.

Was ist  für Sie die Faszination an dem Autorennen?

Bei „Le Mans“ geht es vor allem um mentale Stärke und Belastbarkeit. Stellen Sie sich vor, Sie müssen ein Auto 24 Stunden lang fahren, voll Stoff geben, Tag und Nacht, bei jedem Wetter. Ich kann nur jedem empfehlen, mindestens einmal „Le Mans“ zu besuchen. Der Start, das Nachtrennen, die Spannung, das Dorf – die Atmosphäre ist unvergesslich.

Es ist fast ein halbes Jahrhundert seit diesem Film vergangen. Wie vermeiden Sie, in Nostalgie zu verfallen?

Warum vermeiden? Man erinnert sich doch gern an gute Zeiten. Durch die Erinnerung bekommen wir eine andere Perspektive auf das Leben. Und Sie müssen zugeben, der Film hat den Autorennsport wie kein anderer dargestellt und zum Leben erweckt. Deshalb ist die Story zeitlos.

Es war ein langer Schaffensprozess von drei Jahren. Sicher gab es auch Momente, wo Sie entmutigt waren. Wie haben Sie es geschafft, weiterzumachen?

Das geht nur mit Ausdauer – wie bei einem Langstreckenrennen. Drei Jahre ist eine lange Zeit, und das ist sicher auch der Grund, warum es vor uns niemand gemacht hat. Ende 2015 habe ich fast aufgegeben, weil es immer noch so viel zu tun gab. Und dann die Tragödie im März 2016: Florian, einer unser Künstler, ist bei einem Unfall gestorben. Das gesamte Team stand unter Schock. Doch es bestärkte uns in unserem Vorsatz: Wir mussten das Projekt beenden, zum Andenken an unseren Freund.

Was sind Ihre Wünsche für die Zukunft?

Im Moment ist mein einziger Wunsch, dass die Menschen, die unseren Bildroman lesen, glänzende Augen bekommen. Und dass unser Weg andere Menschen motiviert, ihrem Traum nachzugehen – das wäre wunderbar.

Text: Nicole Thesen (Zimmermann Editorial)

Protokoll: Pascal Rebetez für Studio Garbo

Neueste Beiträge

Durch die Nutzung dieser Webseite erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. Mehr Informationen Verstanden