Im Rennen

Andere gehen nach der Schule zum Fußball oder zur Bandprobe. Das Schülerteam „PeleForce“ vom Paderborner Pelizaeus-Gymnasium baut Rennautos. Und das so gut, dass es bei der WM „Formel 1 in der Schule“ starten durfte.

„Unser Rekord liegt bei 1,075 Sekunden“, sagt Bianca Broske. So schnell schoss der Formel 1-Rennwagen, den die sechs Schüler Bianca Broske, Florian und Benedict Thiele, Simon Liu, Jan Patrick Kübler und Saskia Rummenie als Team „PeleForce“ gebaut haben, über die Rennstrecke bei der Weltmeisterschaft „Formel 1 in der Schule“ in Texas. Kein Rennauto, das dort antrat, war schneller als zwei Sekunden. Dabei zählt die Bahn 20 Meter, und die Autos sind kürzer als ein Unterarm. „Die Rennwagen werden angetrieben durch CO2-Kartuschen, wie sie auch in haushaltsüblichen Sahnespendern zum Einsatz kommen“, erklärt Florian Thiele. Drücke man den Startknopf, werde die Patrone angestochen und das Fahrzeug durch das entweichende Gas ins Ziel geschossen. Das geht so schnell, dass man es kaum sieht. „Es geht um Hundertstel Sekunden“, sagt der 16-Jährige.

 

Generation Z – wie Zunder

Um was geht es überhaupt bei „Formel 1 in der Schule“? Seit knapp zehn Jahren gibt es den Technologiewettbewerb in Deutschland, bei der Schüler im Alter von elf bis 19 Jahren einen Miniatur-Formel-1-Rennwagen am Computer entwickeln, fertigen und anschließend ins Rennen schicken. Durch den Wettbewerb sollen die Jugendlichen in den Bereichen Technologie, Produktentwicklung und Marketing gefördert werden. Das „Pele-Force“-Team trat bei der zehnten Deutschen Meisterschaft gegen die 16 besten von 200 deutschen Teams aus fast 100 Schulen an und setzte sich durch. „Monate lang haben wir unser Fahrzeug am Computer entwickelt und getestet, bis wir schließlich den finalen Entwurf fräsen und lackieren konnten“, so Team-Konstrukteur Benedict Thiele. „Daneben haben wir einen Businessplan, ein Portfolio und eine Präsentation erstellt und einen Messestand geplant.“ Wenn man die 16-Jährigen so reden hört, meint man fast, sie hätten in ihrem jungen Leben nichts anderes getan. „Schon im ersten Jahr erreichten wir die Deutsche Meisterschaft, und beim zweiten Anlauf sogar die Weltmeisterschaft“, sagt Saskia Rummenie stolz. Unterstützung erhielten die Schüler vom Veranstalter, der sie innerhalb eines Konstruktionsworkshops in die relevanten Programme einführte. „Daneben bekamen wir Tipps von Mitschülern, die das Jahr zuvor an dem Wettbewerb teilgenommen hatten“, sagt Bianca Broske. Das Team aus dem Vorjahr konnte sich nicht für die Deutsche Meisterschaft qualifizieren. „Das wollten wir besser machen“, sagt Jan Patrick Kübler.

 

Das Auto musste aus einem Stück leichtem Balsaholz gefräst werden. Welche Räder, Spoiler und Achsen verwendet werden, war den Teams selbst überlassen. „Es kommt auf Kleinigkeiten an“, sagt Florian Thiele. „Wir haben uns beispielsweise für Kugellager aus Keramik entschieden und den Wagen möglichst leicht und aerodynamisch konstruiert, um einen geringen Luftwiderstand und eine hohe Geschwindigkeit zu erreichen.“

 

Alles andere als antriebslos

Darüber hinaus suchten sich die Schüler Sponsoren und Unterstützer – auch das ist Teil des Wettbewerbs. Rund 34.000 Euro benötigte die Gruppe für die Teilnahme, mit der Unterstützung von rund 40 Sponsoren wurde ihr Traum schließlich wahr. Auch der Bilster Berg unterstützte das Schülerteam und steuerte 1.500 Euro bei. Andere Sponsoren halfen mit Equipment oder Beratung. „Bei der Firma Autmaring durften wir fräsen, das Direct Manufacturing Research Center der Uni Paderborn hat die Räder für uns gefertigt. Lackiert haben wir dann selbst“, sagt Bianca Broske.

 

Wenn man nachher das fertige Holzauto auf der Piste sehe, mache einen das schon stolz, findet die Schülerin. Teammanager Simon Liu sieht in der Teilnahme auch weitere Vorteile: „Man lernt seine Interessen und Fähigkeiten besser kennen und gezielt einzusetzen.“ Die Schüler des Pelizaeus-Gymnasiums machten zwar nicht den ersten Platz bei der Deutschen Meisterschaft, belegten aber den dritten und konnten damit eine Kollaboration mit einem britischen Schülerteam aus Datford eingehen und gemeinsam beim Finale antreten. „Wir haben uns mit den britischen Schülern von Anfang an gut verstanden und von ihnen viele englische Fachbegriffe lernen können“, sagt Florian Thiele. In Texas trat das deutsch-britische Team „Fusion Racing“ gegen 38 Mannschaften aus der ganzen Welt an. Am Ende wurde es Platz 18, zudem wurde den Schülern der Sonderpreis als „The Best International Collaboration Team“ verliehen. „Die Jury war von unserer Zusammenarbeit einfach so begeistert“, sagt Bianca Broske stolz. Es geht eben doch nicht nur um Geschwindigkeit.

Autor: Nicole Thesen (Zimmermann Editorial)

Empfohlene Beiträge