Jan Hofer: „Kurvenfahren ist ein Genuss“

Menschen verbinden mit Autos Erinnerungen und Lebensgefühl. In unserer Serie „Promis & PS“ schildern Prominente ihre Erfahrungen. Diesmal: Nachrichtensprecher Jan Hofer.

Als Jugendlicher konnte ich es kaum abwarten, meinen Führerschein zu machen. Als ich den Lappen endlich hatte, bin ich mit meinem ersten Auto – einem NSU-Fiat 600 für 300 D-Mark – nach Holland ans Meer gefahren. Ich wohnte damals noch am Niederrhein. Den cremeweißen Wagen habe ich rot angestrichen und hatte viel Freude an der neuen Freiheit – auch wenn das Auto mehr Wasser und Öl verbraucht hat als Sprit.

 

Mit den Jahren habe ich dann ein paar Jugendträume wahrgemacht, und so ist ein kleiner Oldtimer-Fuhrpark entstanden. Das VW Käfer Cabrio war so ein Traumauto, das ich mir früher nicht leisten konnte. Dann kam der Mercedes 220 S Ponton dazu, den mein Vater gefahren hat und den ich nur vom Rücksitz aus kannte. Jetzt sitze ich selbst als Vater am Steuer dieses Autos. Und natürlich mein Austin Healey BJ8 -MKIII: Mit dem nehme ich besonders gerne an Oldtimer-Rallyes teil. Er ist, wenn ich ehrlich bin, mein heimlicher Liebling. Größer darf die Sammlung eigentlich nicht werden, wenn ich die Autos noch selbst reparieren und bewegen möchte.

 

Warum ich das mache? Ich denke es ist ein Ausgleich zum flüchtigen Nachrichtengeschäft. Wenn ich ein Auto restauriere und pflege, sehe ich dauerhaft, was ich geschafft habe. Außerdem führt die intensive Beschäftigung mit Oldtimern dazu, dass man diese Szene kennenlernt. Ich habe dieses Jahr schon an vier Rallyes teilgenommen, von Hamburg bis Budapest. Zuletzt war ich mit der Healey beim Oldtimer Classic Treffen bei Schloss Dyck am Niederrhein. Zu solchen Gelegenheiten trifft man viele nette Leute und entwickelt neue Freundschaften. Es sind alles Enthusiasten, die ein formschönes, gepflegtes Auto schätzen. Ein gewisser sportlicher Ehrgeiz gehört ebenfalls dazu – auch wenn es nicht um Geschwindigkeit geht. Konzentration braucht vor allem der Beifahrer, der den richtigen Weg kennen muss, denn Navis sind natürlich verboten. Diese Aufgabe hat jetzt schon einige Male mein ältester Sohn übernommen.

 

Aber auch abseits von Rallyes wollen die Wagen bewegt werden. Rund um Hamburg gibt es wunderbare Strecken mit Alleen und Schlössern. Ich mag aber auch kurvige Straßen im Elsaß oder in Tirol. Es ist ein Genuss, schön geschwungene Kurven zu fahren. Die fährt man langsam und bewusst, denn Oldtimer sind ja keine Rennwagen. Wenn der Tacho meiner Healey 80 Stundenkilometer zeigt, wird der Wagen lauter, es rappelt und wird zugig. Ein Aerodynamiker hätte keine Freude an diesen Formen. Aber ich mag dieses Design, das sich nur an Schönheit und Eleganz orientiert.

 

Einen Unfall habe ich Gott sei Dank noch nicht erlebt. Ich fahre schon sehr bedacht, aber es liegt auch an den Mitmenschen: Auf einen schönen, glänzenden Oldtimer achten eben auch alle anderen mehr. Manche Fahrer bleiben sogar extra auf Abstand. Geblitzt werde ich allerdings hin und wieder schon – diese alten Tachos sind einfach nicht sehr genau.

Autor: Lena Wilde (Zimmermann Editorial)

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