Joey Kelly: „Ich bin im Auto aufgewachsen“

Menschen verbinden mit Autos Erinnerungen und Lebensgefühl. In unserer Serie „Promis & PS“ schildern Prominente ihre Erfahrungen. Diesmal: Musiker und Sportler Joey Kelly.

Ich bin im Auto aufgewachsen. Wir waren ja Straßenmusiker und ständig unterwegs. Dann kam der Durchbruch mit der Kelly Family und wir sind auf unser berühmtes Hausboot gezogen. Am Ufer parkten dann immer unsere London-Busse: rote Doppeldecker, die in den 1960ern tatsächlich als Linienbusse durch London gefahren sind. Darin haben wir auf Tour gelebt.

 

Mein erstes Auto war ein verbeulter Golf I, Baujahr ’76. Den habe ich als 15-Jähriger für 640 DM ersteigert, umlackiert und ausgebeult. Meine Familie ist ihn dann jahrelang gefahren. Ich durfte ja noch nicht hinters Steuer. Damals haben wir mehrere Hunderttausend Kilometer Straße im Jahr abgerissen. Einigen meiner Geschwister ist dadurch die Lust am Reisen vergangen. Ich dagegen reise immer noch gerne. Ich mag Autos, sie geben einem das Gefühl von Freiheit.

 

Heute fahre ich an die 150.000 Kilometer im Jahr in meinem Mazda CX5, meinem aktuellen Lieblingsauto. Meine eigentlichen Lieblinge aber sind Busse: Ich besitze vier London-Busse und einen 18 Meter langen Neoplan Gelenk-Bus. Was ich an ihnen mag? Für mich steckt in den roten Doppeldeckern viel Vergangenheit. Und sie vermitteln ein Gefühl von Sightseeing und Urlaub. London-Busse haben einfach eine freundliche Ausstrahlung, wie ein alter Käfer.

 

Als Kind habe ich davon geträumt, später einmal Paris-Dakar zu fahren. Wir haben damals in Frankreich gelebt, dort ist diese Rallye das allergrößte. Ich habe sie damals tagelang im Fernsehen verfolgt und gedacht: Das machst du auch, wenn du groß bist. So ist es dann nicht gekommen. Ich bin zwar insgesamt 42 Autorennen gefahren, die VLN Langstreckenmeisterschaft auf der Nordschleife, aber irgendwann musste ich mich entscheiden: zwei Sportarten waren auf Dauer zu viel. Also habe ich mich für den Ausdauersport entschieden. Dafür brenne ich mehr – und er kostet weniger.

 

Heute ist mein Alltag vom Sport geprägt: Allein dieses Jahr bin ich 300 Kilometer durch die Wüste in Tansania, 311 Kilometer entlang des Yukon und 255 Kilometer durch sibirisches Eis gelaufen. Warum? Mir macht das Spaß. Manche Leute finden das vielleicht sinnlos, aber für mich macht das Sinn. Mich spornt es an, unerreichbare Ziele zu erreichen.

 

Ziemlich wahnsinnig, aber unglaublich lustig waren auch die Stock-Car-Races von Stefan Raab. Das sind Autorennen, bei denen Kollisionen erlaubt sind. Ich war bei allen dabei und habe dreimal in meiner Klasse gewonnen. Die Stock-Cars, mit denen ich gefahren bin, stehen immer noch in meiner Scheune – die habe ich der Produktion abgekauft. Auch beim Autoball habe ich mitgemacht, aber leider nie gewonnen. Was mich bis heute ärgert.

 

Leider hat das Stock-Car-Fahren auch Nebenwirkungen. Manchmal denke ich: Wenn das Auto vor dir jetzt eine Vollbremsung macht, fährst du ihm einfach rein – passiert ja nichts, kennst du ja vom Stock-Car. Dass dort alle Fahrer durch Helme, feuerfeste Anzüge und spezielle Cockpits geschützt sind und maximal 60 km/h fahren, fällt mir zum Glück im nächsten Moment wieder ein.

Autor: Michael Aust (Zimmermann Editorial)

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