Rennzirkus en miniature

Modellautorennen sind kein Kinderspiel: Slotcar-Fahrer liefern sich heiße Rad-an-Rad-Duelle auf digitalen Bahnen, Automobilhersteller stellen die Fahrzeuge. Fast wie im großen Motorsport. Die Rennserie RCCO am Bilster Berg.

Die Digitalisierung ist schuld. Schuld daran, dass die gute alte Carrera-Bahn beinahe in der Mottenkiste verschwand. Und daran, dass die Schlitzpistenflitzer glamourös wieder auferstanden sind und seit einigen Jahren intelligenter und professioneller daherkommen als je zuvor. Slot-Racing nennen Experten die digitalen Rennen, die auch – wie aktuell am Bilster Berg – auf professioneller und internationaler Ebene unter Beteiligung namhafter Automobilhersteller veranstaltet werden. Das ist nicht verwunderlich, weil es auf den digitalen Bahnen anders als auf den analogen wie im echten Motorsport viel mehr auf Taktik und Können ankommt. „Der auffälligste Unterschied zwischen einer Analog- und einer Digitalbahn sind die in die Strecke eingebauten Weichen, an denen die Fahrzeuge die Spur wechseln und sich damit überholen können“, sagt Thomas Voigt, Geschäftsführer der Speedpool GmbH, die die Rennserie RCCO organisiert, die aktuell am Bilster Berg gastierte. „Für die Automobilhersteller passen Slotcar-Rennen perfekt zum Thema E-Mobilität.“ So gehen auf der dreispurigen Bahn im Clubhaus des Bilster Bergs auch sechs exklusiv für die RCCO gestaltete E-Sportwagen-Studien von Audi, Volkswagen, Lamborghini, KTM, ABT Sportsline und Schaeffler an den Start. Sechs Fahrer sind gleichzeitig am Drücker, zwölf Teams mit je zwei Autos sind insgesamt bei der „großen kleinen Rennserie“ eingeschrieben. Die Strecke am Bilster Berg misst rund 30 Meter. Sie kann bis zu 100 Meter lang sein. „Unsere Teams fahren elf Rennen pro Jahr, inklusive ein 24 Stunden-Rennen“, sagt Voigt. Es gibt noch weitere Parallelen und Verbindungen zum echten Motorsport: „Einige aktive und ehemalige Rennfahrer gehen auch bei uns an den Start“, sagt Voigt. „Sie erzählen immer wieder, dass es beinahe das Gleiche ist – nur im Kleinen. Wir integrieren unsere Serie auch immer wieder in den richtigen Rennsport.“ So drehen die Miniflitzer etwa im Rahmen der Rallycross-WM, der DTM, der Blancpain Series oder der Formel E in Berlin ihre Runden – im historischen Carrera-Maßstab 1:24. Die Technik und Messung der Rundenzeit sind schon Formel-1-würdig: „Sensoren in den Schienen registrieren punktgenau, wann ein Auto eine Runde vollendet hat“, erklärt Voigt. Eigens programmierte Software sammelt die Daten und spuckt dann die aktuelle Platzierung aus. Sie wird auf einem Monitor angezeigt. Das Rennen fordere von den Piloten viel Fingerspitzengefühl. Wie auf dem Asphalt müsse man auch in einer Kurve oder einer Steigung anders fahren als auf gerader Strecke. In einer Sache haben die Kleinen sogar einen Vorteil gegenüber den Großen: „Bei uns spielt die Aerodynamik keine Rolle. Wir können alle Parameter so festlegen, dass trotz aller Unterschiede eine Chancengleichheit besteht“, sagt Voigt. „Das wird auch im großen Motorsport schon lange versucht.“

Text: Nicole Thesen  (Zimmermann Editorial)

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