Ritt am Bilster Berg

Der Ford Mustang ist ein rebellisches Pferdchen, ein Straßenkämpfer. Gleich zwei Mal in 2016 galoppierte eine Herde Mustangs bei den Ford Performance Days über den Bilster Berg.

„Wenn du einen Mann im tiefsten Tennessee fragst, was ein Jaguar ist, antwortet er: Eine Raubkatze. Aber wenn Du ihn fragst, was ein Mustang ist, wird er antworten: Das ist ein Ford“ – so erklärte der frühere Baureihenleiter des Ford Mustang einmal in einem Interview die Bedeutung des Pony-Cars. „Vermutlich wäre die Antwort in Bayern oder Mecklenburg-Vorpommern dieselbe“, sagt Jan Herzog, Ford Mustang Produktmanager für Ford Europa und Mitinitiator der Ford Performance Days. „Am Bilster Berg wird sie lebendig.“

 

Die 60 Teilnehmer der Ford Performance Days sind Mustang-Liebhaber, -Fanatiker oder -Tuchfühler und alle überglücklich, an diesem speziellen Fahrevent teilnehmen zu dürfen. 60 aus 5000 – mit diesem Verhältnis von Zuschriften zu Gewinnern dürfen die Teilnehmer einen Ritt auf dem Mustang wagen. 15 Pony-Cars stehen für sie bereit. Für den stilechten Einstieg sorgt ein Dinner im „Pferdestall“: Geräucherter Fisch, rotes Fleisch und Südstaaten-Rock. Jeder erzählt hier seine ganz eigene Geschichte zum Mustang. René Kochs und Kathrin Kischnings Herzen etwa schlagen schon seit Jahrzehnten für das Muscle-Car. Ihr ganzer Stolz: ein 66er-Mustang Cabrio in Lipstick Red. Georg Breunig und seine Frau Nina aus Weilbach fahren eigentlich Käfer, geben in ihrer Freizeit aber gerne mal Gas. Und der 25-jährige Christopher Schubert will mit dem Mustang mal so richtig auf Tuchfühlung gehen.

 

Berg- und Talfahrt

Dabei war der junge Fahrer noch gar nicht geboren, als das Pony-Car am 17.April 1964 in New York vorgestellt wurde. Doch genau, wie die Rolling Stones, die im gleichen Jahr ihre erste LP rausbrachten, prägte der Mustang die Zeit danach entscheidend. „Der Mustang hatte in jeder Dekade seine Anhänger und Fans“, sagt Herzog, „auch in den Zeiten, in denen er aus heutiger Sicht einige Geschmacksverirrungen erlebte.“ Und so wie ein „Under my thumb“ immer noch Gänsehaut verschafft, vermag das der V8-Sound.

 

Dennoch ist die Geschichte des Mustangs in der Rückschau eher eine Berg- und Talfahrt: Den ersten zwei Generationen mit Kultstatus folgten etwas unansehnlichere und kouriose Coupés. „Die Mustangs wurden von Jahr zu Jahr schwerer und größer. Das hatte nichts mehr mit der Grundidee zu tun“, erzählt Herzog. Den Anhängern der ersten Stunde war das mehr als eine Spur zu viel.

 

Ende der Neunziger nahm das Pony dann wieder Fahrt auf: 2003 präsentierte Ford eine Mustang-Version, die eindeutig eine Brücke schlug zum Ur-Pony. „Die Ford-Designer studierten wohl monatelang alte Unterlagen, Zeichnungen, Kataloge und Bücher, die es zu den Mustangs der frühen Sechziger gab“, berichtet Herzog. Die Nase mit dem Haifischmaul, die Nüstern auf der Haube – die Entwickler pickten sich die Stilrosinen raus und kreierten einen Mustang im Retro-Look.

 

Heute ist die Fangemeinde des Ponys riesig: Laut Ford bestehen mehr als 250 Clubs, die dem Mustang gewidmet sind. Bei Facebook hat das Pferdchen über 5,5 Millionen Freunde – mehr als jedes andere Auto.

 

Pop-Pony

Am Bilster Berg wird mit den Hufen gescharrt. Die Mustang-Herde steht in der Boxengasse. Doch bevor die Teilnehmer die 421 PS und 530 Newtonmeter auf die Strecke bringen, bekommen sie noch Instruktionen von Ford-Chefingenieur Matthias Tonn. Er weiß, wie man das Beste aus dem Mustang rausholt – von der perfekten Sitzeinstellung bis hin zu passenden Tricks, wenn die Ideallinie mal verrutscht.

„Der Mustang ist ein fahraktives Auto mit einer agilen Hinterachse. Er möchte bewusst gefahren werden“, sagt Jan Herzog. Im Vordergrund des Events stehe das Erleben, nicht das Rennen gegen andere: „Keiner solle hier seine Grenzen überschreiten, sondern kontrollieren lernen“, sagt Herzog. „Dafür ist das sympathische Pony genau das richtige Gefährt. Ein gutmütiges Fahrzeug, mit dem auch gefahrlos Limits ausgelotet werden können.“

 

Seit 2015 ist der Mustang auch in Europa, ganz offiziell beim Ford Store erhältlich. Herzog war mit verantwortlich, die sechste Generation des Pony-Cars nach Europa zu holen und hiesigen Car-Designstandards anzupassen. Sommerreifen, ein Acht-Zoll-Display, ein Radio mit dem digitalen Radiostandard DAB+ und ein sportlicheres Fahrwerk wurden dem EU-Modell unter anderem verpasst. So wird man auch hierzulande nun häufiger das Pony durch die Straßen galoppieren sehen. Der Mythos Mustang hält an.

 

Autor: Nicole Thesen (Zimmermann Editorial)

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