Von der Viertelmeile an den BILSTER BERG
Philipp Kaess ist eigentlich ein Kind der Dragrace-Szene, wo es um maximale Leistung auf einer kurzen Distanz geht. Doch irgendwann reichte ihm das nicht mehr.
Der Weg auf die Rundstrecke begann langsam und führte ihn schließlich zum BILSTER BERG. Über mehrere Jahre wuchs seine Faszination für längere Stints und Reifenarbeit, er wollte verstehen, wie man ein Auto nicht nur kurzzeitig ans Limit bringt, sondern Runde für Runde. In dieser Zeit baute er den Fiat Abarth seiner Frau gezielt zum Tracktool um. Ein Projekt, das seine Perspektive endgültig verschob. Es ging ihm nun nicht mehr um Einzelwerte wie Leistung oder Zeit auf der Viertelmeile, sondern um Wiederholbarkeit und Fahrzeuggefühl über die Distanz.
Die Rennlizenz am BILSTER BERG
Wer an offiziellen Rennen teilnehmen will, braucht in Deutschland eine Rennlizenz des DMSB (Deutscher Motorsport Bund). Die A-Lizenz ist dabei die höchste nationale Stufe und Voraussetzung für Markenpokale und etablierte Rundstrecken-Serien. Der Weg dorthin ist mehrstufig, beinhaltet Theorie zu Reglement und Sicherheit und natürlich Praxis, wie kontrolliertes Fahren im Grenzbereich unter realen Rennbedingungen.
Für Kaess kam beides am BILSTER BERG zusammen. 2025 absolvierte er dort den “DMSB-Lizenzlehrgang Auto Nat A” – ein Format, das die Inhalte der Lizenzausbildung direkt auf der Strecke kombinierte und damit ein besonders praxisnahes Umfeld für den Einstieg in den organisierten Motorsport schuf. So lernte Kaess Elemente wie präzises Arbeiten an der Ideallinie, Fahren im Pulk und Sicherheitsabläufe im Rennen. Und das auf einer Strecke, die es einem nicht leicht macht: 4,2 Kilometer am Rande des Teutoburger Waldes mit deutlichen Höhenunterschieden, die sich direkt auf Bremszonen, Kurvenverhalten und Beschleunigungsphasen auswirken und das Auto permanent zwischen Belastung und Entlastung arbeiten lassen.
Philipp Kaess bringt es auf den Punkt:
“Wer auf dem BILSTER BERG fahren gelernt hat, kann überall fahren.”
Erster Renneinsatz im Polo Cup Germany
Mit der frischen Lizenz in der Hand folgte der erste Einsatz beim Saisonauftakt des Polo Cup Germany in Oschersleben. Kaess startete im BDF Experts Media Car und traf direkt auf ein Feld mit langjähriger Cup-Erfahrung.
Die größte Herausforderung lag für ihn dabei in den Details: kalte Slicks in der Einführungsrunde, der kontrollierte Aufbau von Reifentemperatur in den ersten Runden oder die Konsequenz kleinster Fehler im engen Feld. An diesem Wochenende ging es Kaess vor allem darum, Erfahrung zu sammeln. Und trotz Positionen im hinteren Feld überwog die Begeisterung für das Rennen und den analytischen Charakter des Rundstreckenmotorsports, bei dem selbst kleinste Stellschrauben wie Luftdruck oder Reifenbild entscheidend sein können.
“Definitiv nicht das letzte Mal”, sagte Kaess nach dem Rennen.
Man darf ihm das glauben.
Hinweis: Der Lizenzlehrgang am BILSTER BERG ist kein festes Angebot, sondern kann in Kooperation mit dem DMSB projektbezogen angeboten werden.
