Campus Bilster Berg

Beim Konstruktionswettbewerb „Racing-Camp in OWL“ treten angehende Ingenieure aus aller Welt mit selbstgebauten Rennautos an. Auch auf dem Bilster Berg

Die Sonne brennt auf Strecke und Boxengasse, während sieben kompakte Boliden zum Start gerollt werden. Dann fällt die Startflagge, und die Rennautos sprinten mit sirrendem Antrieb über den heißen Asphalt. 34 Grad ist es an diesem 28. Mai 2017. Dennoch jagen die kleinen Monopostos in nur 25 Sekunden über die 400 Meter lange Strecke. „Das Beschleunigungsrennen, auch Acceleration genannt, ist eine von acht Disziplinen, die beim Racing-Camp in OWL bewertet werden“, sagt Stefan Lübbecke, Vorsitzender des UPBRacing Teams der Universität Paderborn. Neben der Fahrdynamik würden gutes Design, eine solide Finanzierung und die überzeugende Präsentation eines Businessplans überprüft. „Seit elf Jahren entwickeln, konstruieren und testen wir mit Studierenden unserer Universität Fahrzeuge innerhalb des Racing-Camps“, sagt Lübbecke. „Dabei entwickeln die Studierenden jedes Jahr einen neuen Rennwagen.“ Seit 12 Jahren gibt es den internationalen Konstruktionswettbewerb für künftige Ingenieure sowie Studierende anderer Fachrichtungen. „Wir engagieren uns gerne für das Racing-Camp in OWL“, sagt Hans-Jürgen von Glasenapp, Geschäftsführer des Bilster Berg Driving Resort, „denn es ist die ideale Plattform, um uns mit den Fahrzeugingenieuren von morgen auszutauschen.“ Das teilnehmende Hochschulteam der Universität Paderborn besteht aus 42 jungen Frauen und Männern. Bei der Entwicklung ihrer Fahrzeuge, dem Austüfteln der Businesspläne, für das Einholen von Sponsorengeldern und der Öffentlichkeitsarbeit arbeiteten sie Hand in Hand und engagieren sich – trotz dicht getaktetem Studienplan – mit Hochkraft für den Wettbewerb. Zum Teil opfern Studenten auch mehrere Semester, um beim Motorsport-Wettbewerb mit einem siegfähigen Auto aufzuwarten. Das Ergebnis: „Faszinierende Rennwagenentwürfe“, sagt Lübbecke, „und gute Kontakte zu potenziellen Arbeitgebern.“ Dafür sorgt die praxisnahe Zusammenarbeit mit Mentoren aus Unternehmen der Automobil- und Zulieferindustrie. „Auch wenn es an der Uni dafür keine Scheine oder Credits gibt, lohnt sich der Aufwand“, sagt Lübbecke. Für die Autoindustrie ist das Racing-Camp einer der besten Orte, um Kontakt zum hochbegabten Nachwuchs aufzunehmen. Organisiert wurde das Racing-Camp vom VDI OWL – Verein Deutscher Ingenieure  Ostwestfalen-Lippe e.V..

 

Zwei Semester Autorennen

Formel BMW, GP2, Renault World Series – überall geht es darum, die Piloten möglichst gut auf den nächsten Schritt vorzubereiten. Aber wo erlernen die Ingenieure von morgen ihr Handwerk? Die Antwort: im Racing-Camp in OWL. „In nahezu jedem Rennstall befinden sich heute bereits Ingenieure, die ihre Anfänge beim Racing-Camp gemacht haben“, weiß Lübbecke zu berichten. Sein Team hatte mit der Konstruktions- und Entwicklungsphase bereits im September letzten Jahres begonnen. „Zum Ende des Jahres stand bei uns das Gesamtfahrzeug im CAD, sodass wir im neuen Jahr mit der Fertigung der einzelnen Bauteile des Rennwagens beginnen konnten.“ Ziel sei in diesem Jahr gewesen, ein noch zuverlässigeres und gleichzeitig schnelleres Fahrzeug zu entwickeln. Der besondere Fokus lag daher auf der Aerodynamik. Zudem sei die Sicherheit immer ein besonderer Aspekt. „Die Sicherheit muss jederzeit gewährleistet sein“, sagt Lübbecke. „Wir mussten beispielsweise, vom Reglement vorgeschrieben, einen Überrollbügel aus einem Spezialstahl fahren, um die bestehenden Sicherheitsvorschriften zu erfüllen.“ Ansonsten lasse das Reglement aber eine bunte Vielfalt an Materialien und Lösungen zu. Schließlich sollen die Studententeams zeigen, wie sie mit allen Möglichkeiten der ingenieurwissenschaftlichen Arbeit zu überzeugenden Ergebnissen kommen. Für Chancengleichheit und Fairness sorgen dann die technischen Restriktionen für den Motor.

Text: Nicole Thesen  (Zimmermann Editorial)

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